Gustav Dalí und der Taucher-Zwischenfall
Im Jahre 1936 brach der damals schon bekannte spanische Maler Gustav Dalí zu einer Tauchfahrt auf. Destination: die Balearen, von jeher ein Tauchparadies aus Klettermuscheln, Unterwassersand und Otterkrebsen. Natürlich war (wie wir heute sagen) "Scuba" zu der Zeit noch ein exotisches Hobby und äußerst kostspielig, doch die pekuniäre Situation stellte für Dalí keinerlei Probleme dar, hatte er doch die bekannte deutsche Brauerei "Paulaner" als Sponsor gewonnen. Diese lieferte ihm einen kompletten Stahlanzug, gefertigt von der Firma ScubaWorld, NY, komplett mit Strahlenhelm, Lüftungssystem, ABS, Seitenmuffen, Flusensieb und einem Titangewinde für das Herablassen in die Untiefen. Dalí zeigte sich zugleich begeistert von der neuen Technologie, erfand eine neue Kunstrichtung ("Paranoider Anglizismus"), packte Gala in den Koffer und fuhr mit seinen Kohorten gen London, um dort den Frachter "Bismarck" zu entern und in See zu stechen.
Doch es kam anders als erwartet. Dalí war nämlich - ohne sein Wissen - zeitgleich an der örtlichen Tankstelle zu einem Vortrag über den Surrealismus mit dem Titel "Der Zug erreicht Landsberg gegen 13:12 Uhr" eingeladen worden. Um den Maestro ohne großes Aufhebens zur Teilnahme zu bewegen, heckten seine Kumpanen einen grandiosen Plan aus: Während Dalí schlief, verfrachteten sie seinen dürren Körper in die Metall-Urnen, versiegelten die Öffnungen und platzierten einen Mercedes-Stern auf dem Helm, um dem Meister zu suggerieren, er fahre in einem Auto. Zu viert (andere Quellen sprechen von sechs Männern) wurde das Stahlungetüm auf einen Lkw gehievt, der sogleich mit Vollgas in die Londoner Innenstadt fuhr. Gegen 19:00 Uhr erreichten die durchgeknallten Surrealisten den Veranstaltungsort. Zusammen mit zwei russischen Wolfshunden wurde der verpackte Jahrhundertkünstler in den Raum getragen, um dort seinen Vortrag zu halten. Dalí selbst war von den Vorgängen nicht überrascht, da er mangels Luftzufuhr längst in ein tiefes Koma gefallen war.
Der zuständige Techniker war aber bereits nach Hause gegangen und so blieb den Anwesenden nichts anderes übrig, als den erstickenden Dalí mit schwerem Gerät aus der Tauchdose zu befreien. Ein Schlagbohrer, der im 45-Grad-Winkel am Helm angesetzt wurde, brachte endlich die erlösende Reatmosphärisierung für den geschundenen Hobbymaler. Das Publikum war wie erwartet, völlig paralysiert von dem Ereignis, dachte es doch, dass Dalí in Wirklichkeit längst auf Ibiza beim Tauchen war. So kam es auch nach dem Vorfall immer wieder zu absurden Verschwörungstheorien. Bis heute wird kolportiert, dass der eingesperrte Maler in Wirklichkeit Enriquo Picasso war, andere vermuten einen Spiegeltrick. Fest steht jedenfalls, dass Gustav Dalí sich nach diesen Ereignissen vom Tauchsport für immer verabschiedete.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Drück den Knopf und dein Kommentar wird automatisch auf den Bildschirm gebügelt!