The Bronx Tales - Part II
Woodforth war mal wieder unterwegs. Er bog bei Johnny's Machine-Gun-Shop in die 5. ein, ging bis zur Madison-Bridge und setzte sich auf eine dieser vollgepissten Parkbänke. Es war kein Park weit und breit in Sicht, doch das störte Woodforth an diesem verregneten Sonntag überhaupt nicht. Am liebsten hätte er vor Wut selber an die Parkbank gepisst, aber er kam zu spät: Joe Mangioni hatte längst alle Parkbänke in Harlem mit Harn markieren lassen. Mangioni war ein Afro-Italiener griechischer Abstammung.
Wie lange ging das wohl schon hin und her zwischen den Devils und den Sharks, dachte sich Woodforth. Momentan hatten wohl in Harlem Mangioni's Devils das Sagen. Überall roch es nach extrem süßlichem Urin, und das kam nicht von ungefähr: Mangionis Leute waren alle starke Diabetiker und schieden mit ihrem Urin täglich mehrere Tonnen Zucker aus. Da konnten die Sharks einfach nicht mithalten. Zwar hatten sie versucht, sich mit diversen Durchfallerregern zu dopen und so einen Vorsprung zu erlangen, doch bald mussten sie Mangionis Gang klein beigeben. Es war ein erbitterter Kampf bis auf den letzten Tropfen.
Die Devils beherrschten alles, von der Eastern-West-Boulevard-Bridge bis zur South Bronx Allee, von der East-Jordan-Bay-Ave bis zum Upper-Kansas-Drive, von Giuseppe's Würstchen-Nachtgrill bis zum WalMart Ecke Mallones/7th Weststr. Jeder Baum, jede Bank, jeder Autoreifen, ja sogar die Frau vom Gemüsestand stank nach Urin, und alles trug Mangionis Harnschrift.
Woodforth war ursprünglich weder von den Devils noch von den Sharks. Er war Libanese libanesischer Abstammung. Sein Vater war Französin, seine Mutter auch. Alle nannten ihn bloß "den Perser", doch er hieß eigentlich Woodforth, aber keiner nannte ihn so. Plötzlich rief jemand: "Hey, Woodforth, na, wie läuft's denn so?", doch Woodforth hielt sein verfluchtes Maul, und es war besser so. Denn er hatte einen Auftrag. Er wollte ihn ausführen und "Zack" wieder abhauen. Seine Frau hatte soeben eine kleine peruanische Bergziege auf die Welt gebracht. Sie wollten sie "Merkava" nennen.
Peter Cornelius von den Dolphins hatte vor ca. zwei Minuten auf Woodforths Mailbox gesprochen, um ihm den Auftrag durchzugeben, doch Woodforths Killerinstinkt hatte ihn nur selten verlassen, und so saß Woodforth bereits seit drei Tagen im Flieger nach Harlem, um dort den Devils den Harn zuzudrehen. Woodforth hatte neben den 30 kg Koks und den 15 Tonnen Waffen nichts weiter dabei, und so ließen ihn die Zollbeamten problemlos passieren.
Er nahm sich eines dieser gelben Taxis und ließ sich in der Winston Road absetzen. Dort kaufte er sich im lokalen Drugstore 30 Pferdespritzen und 20 Liter einer unbekannten Substanz. Dann fuhr er zu den Devils und spritzte allen heimlich diese Substanz: Es war Insulin. Dies war der Untergang der Devils, denn ihr Urin enthielt fortan keinen Zucker mehr, und so konnten die Sharks gewinnen.
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